Die erste WSOP: Ein Champion per Abstimmung
Die erste WSOP: Ein Champion per Abstimmung
Von Sebastian Voigt · Aktualisiert am
Die World Series of Poker (WSOP) ist heute ein globales Phänomen, dessen Sieger sich durch stundenlange Kartenduelle und strategische Meisterleistungen einen Namen machen. Doch blickt man zurück auf die allererste Austragung im Jahr 1970, präsentiert sich ein gänzlich anderes Bild. Hier wurde nicht an den Tischen entschieden, wer den begehrtesten Titel der Pokerwelt mit nach Hause nimmt, sondern in einer historischen Abstimmung der Spieler selbst. Diese ungewöhnliche Wendung markiert einen faszinierenden Wendepunkt in der Geschichte des Pokersports und wirft ein Licht auf die besonderen Umstände, die zur Entstehung eines der prestigeträchtigsten Turniere führten. Erfahren Sie mehr über dieses einzigartige Ereignis, das den Grundstein für die heutige WSOP legte, und entdecken Sie, wie “Die erste WSOP: Ein Champion per Abstimmung“ zu einem legendären Kapitel wurde.
Was war die erste WSOP und warum wurde per Abstimmung entschieden?
Die allererste World Series of Poker fand im Jahr 1970 imlegendären Horseshoe Casino in Las Vegas statt, initiiert von Benny Binion. Binion, ein visionärer Casinobesitzer und Pokerenthusiast, wollte ein Turnier veranstalten, das die besten Pokerspieler der damaligen Zeit zusammenbringt und den wahren Champion ermittelt. Die teilnehmende Gruppe bestand aus einer ausgewählten Elite, gerade einmal sieben Spieler maßen sich in einem No-Limit Texas Hold’em Freezeout-Turnier. Anders als heute, wo die Struktur mit Blinds und steigenden Einsätzen die Dynamik vorgibt, spielte man damals mit festen Antes über eine längere Dauer, um den Sieger zu ermitteln. Der Twist: Anstatt durch eine finale Hand oder eine vorher festgelegte Anzahl von Runden, entschieden die Spieler selbst, wer als erster WSOP-Champion gekürt werden sollte.
Die Entscheidung zur Abstimmung war eher praktischer Natur und spiegelte den eher informellen Charakter der ersten Veranstaltung wider. Es gab noch keine etablierten Regeln für die Beendigung eines solchen Ereignisses, und anstatt die Spieler bis zur Erschöpfung spielen zu lassen, einigte man sich auf einen Kompromiss. Die legendäre Abstimmung durch die Spieler, bei der sie ihre Stimme für den Spieler abgaben, den sie für den besten hielten, verdeutlicht die besondere Kameradschaft und den Respekt, der bereits in dieser frühen Phase des professionellen Pokers herrschte. Es war eine Ära, in der Poker noch eine Nischenkultur war, und die Spieler kannten und schätzten sich oft persönlich.
Diese Methode war zwar unkonventionell, sorgte aber dafür, dass ein Spieler mit hoher Anerkennung und breiter Zustimmung zum Champion erklärt wurde. Johnny Moss, ein Veteran der Pokerszene, ging als erster Sieger aus dieser historischen Abstimmung hervor. Ironischerweise war Moss ein Mann, der bereits 1949 ein “Tournament of Champions” gewonnen hatte, was seine frühe Bedeutung in der Pokerwelt unterstreicht. Die Wahl von Moss war weniger eine Überraschung als vielmehr eine Bestätigung seiner bereits erlangten Reputation als einer der führenden Köpfe des Spiels.
Die Teilnehmer und der Abstimmungsprozess im Detail
Die sieben Spieler, die an diesem historischen Event teilnahmen, waren keine geringeren als Johnny Moss, Doyle Brunson, Amarillo Slim, Puggy Pearson, Carl Cannon, Seedman und Bobby Baldwin. Alle waren bereits etablierte Größen in der Pokerwelt der damaligen Zeit, bekannt für ihre Fähigkeiten und ihre Präsenz in den illegalen High-Stakes-Spielen, die oft in Hinterzimmern und verborgenen Clubs stattfanden. Die WSOP sollte diese informellen Zirkel in ein anerkanntes Turnierformat überführen. Der finanzielle Einsatz für das Buy-in betrug 1.000 US-Dollar, was damals eine erhebliche Summe war und die Exklusivität des Feldes unterstreicht.
Der Abstimmungsprozess selbst ist heute von Mythen und Legenden umwoben. Es gibt keine exakten Protokolle, die uns genau verraten, wer wie viele Stimmen erhielt. Die gängigste Erzählung besagt, dass jeder der teilnehmenden Spieler eine Stimme hatte und seine Stimme nicht für sich selbst abgeben durfte. Nach beendeter Spielzeit traten die Spieler zusammen und stimmten ab. Dies schuf eine interessante Dynamik, da die Spieler taktisch abstimmen konnten, um einen bestimmten Gegner zu bevorzugen oder einen anderen zu verhindern.
Johnny Moss erhielt letztendlich die Mehrheit der Stimmen. Seine Nominierung und Wahl zum ersten WSOP-Champion wurden von seinen Mitspielern als gerechte Anerkennung seiner langjährigen Erfahrung und seines tiefen Verständnisses für das Spiel gewürdigt. Diese Abstimmung, so untypisch sie heute erscheinen mag, war ein Ausdruck des Respekts und der Gemeinschaft, die in den Anfängen des professionellen Pokers herrschte. Sie legte ungewollt den Grundstein für die Idee, dass Poker auch ein Spiel des strategischen Denkens und der psychologischen Finesse ist, die weit über reine Kartenglück hinausgeht. Diese erste WSOP war somit nicht nur ein Turnier, sondern auch ein soziales Experiment, das die Zukunft des Pokers maßgeblich beeinflusste.
Die Folgen und die Entwicklung der WSOP nach dem ersten Champion
Die Entscheidung, den ersten WSOP-Champion per Abstimmung zu küren, war eine einmalige Angelegenheit. Mit der zunehmenden Popularität des Pokers und der wachsenden Größe der Turniere wurde schnell klar, dass eine standardisierte und objektive Methode zur Ermittlung des Siegers notwendig war. Bereits im folgenden Jahr, 1971, wurde die WSOP nach dem traditionellen Exhaustionsprinzip ausgetragen, bei dem der letzte verbleibende Spieler am Tisch zum Sieger erklärt wird. Diese Entwicklung war entscheidend für die weitere Professionalisierung und das Wachstum der World Series of Poker.
Die WSOP entwickelte sich von einer kleinen Zusammenkunft einiger Sieben zu dem riesigen Event, das wir heute kennen. Die Buy-ins stiegen, die Teilnehmerfelder explodierten und die Preisgelder erreichten astronomische Höhen. Von Benny Binions ursprünglicher Vision einer “World Series of Poker” wurde das Turnier zu einer globalen Marke, die Spieler aus aller Welt anzieht. Die Einführung von Online-Satellites ermöglichte es auch Spielern mit kleineren Budgets, sich für das Hauptturnier zu qualifizieren, was einen breiteren Zugang schuf. Tatsächlich ist die Zahl derBracelet-Events jedes Jahr gestiegen, und im Jahr 2023 gab es über 90 Bracelet-Events während der gesamten Serie, ein starker Kontrast zum einzigen No-Limit Hold’em Event von 1970.
Die WSOP von 1970 mag zwar mit einer Abstimmung entschieden worden sein, doch sie hinterließ ein unvergessliches Erbe. Sie etablierte die Marke und weckte das Interesse an einem organisierten Poker-Wettbewerb auf höchstem Niveau. Die Spieler, die 1970 teilnahmen, sind heute Legenden, und ihre Geschichten werden weiterhin erzählt. Der Sieger Johnny Moss wurde einer der einflussreichsten Spieler der Pokergeschichte. Sein erster Titel, errungen durch die Anerkennung seiner Peers, ist ein Beweis dafür, dass der Respekt innerhalb der Poker-Community oft ebenso wertvoll ist wie ein geldwerter Gewinn. Die Entwicklung der WSOP ab dem zweiten Jahr war geprägt von sportlichem Wettkampf, aber die Erinnerung an “Die erste WSOP: Ein Champion per Abstimmung” bleibt ein faszinierendes Detail, das die Magie und die Eigenheiten des Pokersports in seinen Anfängen beleuchtet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wer war der erste Gewinner der WSOP 1970?
- Der allererste Gewinner der WSOP im Jahr 1970 war Johnny Moss. Er wurde nicht durch das Spielen einer finalen Hand, sondern durch eine Abstimmung der teilnehmenden Spieler zum Champion gekürt, was dieses Ereignis historisch einzigartig macht.
- Wie viele Spieler nahmen an der ersten WSOP teil?
- An der allerersten World Series of Poker im Jahr 1970 nahmen insgesamt sieben Spieler teil. Diese kleine, exklusive Gruppe bildete die Elite der damaligen Pokerszene und legte den Grundstein für zukünftige, weitaus größere Turniere.
- Gab es bei der ersten WSOP ein Buy-in?
- Ja, das Buy-in für die erste World Series of Poker im Jahr 1970 betrug 1.000 US-Dollar. Dies war damals eine erhebliche Summe und spiegelte die Exklusivität des mit sieben Spielern besetzten Feldes wider, das aus den führenden Pokerprofis der Zeit bestand.
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